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Die Kniespitzen des Bremer Rolands sehen aus wie Brustwarzen

Die Bremer Elle oder „Was ist 55,372 cm lang?“

Nein, das sind keine Brustwarzen. Nein, das tut nicht weh. Die zwei häufigsten Fragen zu den Kniespitzen des Rolands sind beantwortet, bleibt die wichtigste: “Wozu diese imposanten Spitzen?” Die Antwort ist: zum Messen!

Doch von Anfang an: Als der Roland 1404 aufgestellt wurde, herrschte um ihn herum täglich reges Markttreiben. Handwerker priesen ihre Waren an, Käufer begutachteten das Angebot und feilschten um Preise. Qualitäten wurden verglichen, Lebensmittel abgewogen und Tuche und Seile abgemessen. Gemessen wurde mit Körpermaßen: Handbreit, Fuß, Elle – und weil man sich natürlich nicht jedes Mal erneut einig werden wollte, wessen Armlänge man denn nun zu Grunde legte, wurden die Maße in jeder Stadt für alle festgelegt. Meist wurden sie am Rathaus sichtbar angebracht, so dass alle vor Ort nachmessen oder sich das Maß für zuhause abgucken konnten. In Bremen hat man die Elle zwischen den Kniespitzen des Rolands dargestellt. Wer also Stoffe kaufte, konnte einfach mit dem Tuchhändler zum Roland gehen und Maß nehmen: ein, zwei, drei Ellen Stoff. 

Der Kopf der Rolandstatue in Bremen neben der Europaflagge am Rathaus

Von einer Kniespitze rüber zur anderen, das ist die offizielle Bremer Elle. Offensichtlich eher die Armlänge des Rolands, als unsere, denn sie misst stolze 55 cm. Genau genommen sogar 55,372 cm, aber das konnte erstens im Mittelalter keiner so genau messen und zweitens sind die heutigen Hundertstel-Millimeter-Angabe wohl eher ein kleiner Spaß. Die Bremer Senatskanzlei verbreitete nämlich 2004 einen Aprilscherz, in dem sie behauptete, mit der Bremer Elle werde in Wissenschaft und Technik weiterhin gemessen und das Längenmaß sei international unter dem Begriff LMR (Length Measurement Roland) in Spezialanwendungen bei Flugzeugbau, Raumfahrt und Unterwasserortung in Gebrauch. Dies habe die Harmonisierungsagentur der europäischen Maße und Einheiten (HAEME) auf Initiative vom Bremer Eichamt beschlossen. Sechs Jahre später bewarb man Bremen ganz ernsthaft mit einem Messestand, dessen Bauteile allesamt dem angeblichen Raumfahrt-Maß aus Bremen entsprachen: “bremisch bis ins kleinste Detail”. Aber wer weiß, vielleicht ist ja auf der ISS wirklich irgendetwas 55,372 cm lang?